George Bähr

1666–1738

Dresden. Der Neumarkt mit Blick auf die Frauenkirche um 1750, Altkolorierter Kupferstich (Guckkastenblatt) von Gottlieb Friedrich Riedel

George Bähr

1666–1738

George Bähr wurde am 15. März 1666 in Fürstenwalde im Osterzgebirge als Sohn eines Leinewebers geboren. Nach einer Lehre als Zimmermann in Lauenstein kam er 1693 nach Dresden und studierte hier unter anderem Mechanik. Ohne Meisterbrief, aber mit guten praktischen Zeugnissen wurde er 1705 zum Ratszimmermeister ernannt und trug ab 1730 den Titel Architekt.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war der Kirchenbau in seiner spezifischen Ausrichtung als protestantischer Bau mit Emporen und Kanzelaltar. Im Spannungsfeld zwischen einfachem Haus und prunkvollem Bau beschäftigte ihn eine neue Form, die dem evangelischen Gottesdienstverständnis neu gerecht werden sollte. Als Prototyp und Sinnbild dessen schuf er sein Hauptwerk, die Frauenkirche in Dresden. Zu den von ihm entworfenen und gebauten Kirchen gehören die auf einem langgestreckten achteckigen Grundriss errichtete Pfarrkirche in Dresden-Loschwitz, die Dresdner Waisenhauskirche, die Dreifaltigkeitskirche in Schmiedeberg, die Kirche in Forchheim bei Pockau sowie die Kirchen in Königstein, Hohnstein und Kesselsdorf. Er beaufsichtigte auch den Bau der ursprünglich von Matthäus Daniel Pöppelmann entworfenen Dreikönigskirche in Dresden und entwarf mehrere Wohnhäuser in seiner Heimatstadt.

George Bähr war mehrfach verheiratet. Mit seiner dritten Frau, der 22 Jahre jüngeren Johanna Juliane Wahl, die er 1730 heiratete, hatte er sechs Kinder. Er starb 72-jährig am 17. März 1738. Sein letzter Wunsch, in der Frauenkirche bestattet zu werden, wurde ein Jahrhundert später auf Gesuch eines Urenkels hin erfüllt. Die Frauenkirche wurde 1743, fünf Jahre nach seinem Tod, vollendet. Bähr hatte nur die Weihe des Innenraumes 1734 mit erlebt. Sein Schwager Johann George Schmidt (1707–1774) gilt als sein bedeutendster Schüler. Er war unter anderem am Neubau der Dresdner Kreuzkirche und an der Marienkirche in Großenhain beteiligt.

Die George-Bähr-Stiftung und das George-Bähr-Forum für Baukultur und Ingenieurbaukunst der Technischen Universität Dresden vergeben seit 2008 den europaweit ausgeschriebenen und mit 5.000 Euro dotierten George-Bähr-Preis. Die Auszeichnung wird aller drei Jahre an Architekten und Ingenieure verliehen, die eine besonders gelungene Synthese von Entwurf, Konstruktion und Realisierung eines Bauwerkes erreichen.

Dresden. Der Neumarkt mit Blick auf die Frauenkirche um 1750, Altkolorierter Kupferstich (Guckkastenblatt) von Gottlieb Friedrich Riedel

Frauenkirche in Dresden um 1897

Ruine der Dresdner Frauenkirche, Februar 1967 mit Johanneum und Dresdner Schloss im Hintergrund

Frauenkirche in Dresden nach der Restaurierung, um 2010