Elisabeth Cruciger

1500–1535

Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)

Elisabeth Cruciger

1500–1535

Elisabeth Cruciger (auch Kreuziger oder Creutziger) gilt als erste Kirchenlieddichterin des Protestantismus. Sie wurde um 1500 als Elisabeth von Meseritz in Meseritz in Hinterpommern (heute Międzyrzecze in der polnischen Woiwodschaft Westpommern auf der Strecke zwischen Szczecin [Stettin] und Koscalin [Köslin]) als Tochter des märkisch-pommerschen Adelsgeschlecht von Meseritz geboren. Die Adelsfamilie starb nach 1808 aus.

Als Kind kam Elisabeth von Meseritz in das Prämonstratenserinnenkloster Marienbusch im nördlich nahe der Ostsee gelegenen Treptow an der Rega (heute Trzebiatów). Hier kam sie durch den Reformator Johannes Bugenhagen (1485–1558) mit den Gedanken und Schriften der Reformation in Berührung, verließ 1522 das Kloster und zog nach Wittenberg. Dort lebte sie zunächst im Haushalt Johannes Bugenhagens, ehe sie 1524 den Theologen Caspar Cruciger (1504–1548), einen Schüler und Mitarbeiter Martin Luthers, heiratete. Aus der Ehe gingen der Sohn Caspar Cruciger der Jüngere (1525–1597), der ebenfalls ein einflussreicher Theologe wurde, und die Tochter Elisabeth hervor, die später Martin Luthers Sohn Hans Luther in Eisleben heiratete.

Durch die Verbundenheit zu Johannes Bugenhagen und die Ehe mit Caspar Cruciger war sie im Kreise der Vertrauten Martin Luthers und ließ sich in diesem Zusammenhang auch zu eigenen Dichtungen inspirieren. Berühmt und bis heute gesungen wird ihr Lied »Herr Christ, der einig Gotts Sohn«, das sie im Jahr ihrer Trauung schrieb. Elisabeth Cruciger starb jung am 2. Mai 1535 in Wittenberg.

(Römer 6,1-4)

Text: Elisabeth Cruciger, 1524 Melodie: 15. Jahrhundert; geistlich Erfurt, 1524

Elisabeth Cruciger:
Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67) – Athesinus Consort Berlin, Leitung: Klaus-Martin Bresgott

Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)

Herr Christ, der einig Gotts Sohn,
Vaters in Ewigkeit,
aus seim Herzen entsprossen,
gleichwie geschrieben steht,
er ist der Morgensterne,
sein Glänzen streckt er ferne
vor andern Sternen klar;
(Johannes 1,14.18)

für uns ein Mensch geboren
im letzten Teil der Zeit,
dass wir nicht wärn verloren
vor Gott in Ewigkeit,
den Tod für uns zerbrochen,
den Himmel aufgeschlossen,
das Leben wiederbracht:

lass uns in deiner Liebe
und Kenntnis nehmen zu,
dass wir am Glauben bleiben,
dir dienen im Geist so,
dass wir hier mögen schmecken
dein Süßigkeit im Herzen
und dürsten stets nach dir.

Du Schöpfer aller Dinge,
du väterliche Kraft,
regierst von End zu Ende
kräftig aus eigner Macht.
Das Herz uns zu dir wende
und kehr ab unsre Sinne,
dass sie nicht irrn von dir.

Ertöt uns durch dein Güte,
erweck uns durch dein Gnad.
Den alten Menschen kränkeA,
dass der neu’ leben mag
und hier auf dieser Erden
den Sinn und alls Begehren
und G’danken hab zu dir.

Elisabeth Cruciger (1500–1535): Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)

Elisabeth Cruciger (1500–1535): Herr Christ, der einig Gotts Sohn (EG 67)